Totterturm

Kommunikation, PR und mehr

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    Markus Neubert ist als PR-Berater seit über zehn Jahren in allen Bereichen der Unternehmens-kommunikation aktiv. Aufgewachsen mit dem C64, hat er die gesamte technische Entwicklung bis heute mitgemacht. Mit großer Neugierde beobachtete er dabei, wie sich Kommunikation durch das Internet stetig verändert. Der Totterturm ist sein Blog über Social Media, klassische PR und Kommunikation.

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Social Media in Unternehmen – oder, Papa sind wir schon da?

Posted by Markus Neubert - 3. Mai 2010

Die Relevanz von Social Media als Kommunikationsinstrument für Unternehmen steigt stetig. Darüber sind sich mittlerweile alle einig. Eigentlich stellt sich nur noch die Frage, wann und in welcher Form Social Media in den Unternehmen wirklich ankommt. Thilo Specht geht in seinem Blog lesenswert davon aus, dass in fünf Jahren niemand mehr von Social Media redet, weil es zum Alltag geworden ist. Es spricht viel dafür, dass es so kommt. Aber es spricht auch einiges dafür, dass der Einzug von Social Media in die Unternehmen länger dauern könnte, als erwartet. Ich denke, wir stehen am Anfang eines Prozesses, der mehr umspannt als die Frage nach dem Einsatz in der Unternehmenskommunikation.

Was für eine schnelle Verbreitung von Social Media in Unternehmen spricht

In erster Linie spricht das Verbreitungstempo von Social Media selbst für eine schnelle Etablierung in den Unternehmen. Je mehr Menschen sich in Social Media engagieren, desto höher wird auch die Relevanz für die Unternehmenskommunikation. Dabei muss man kein Prophet sein, um zu sehen, dass sich die Nutzerzahlen in den nächsten Jahren weiter rasant entwickeln werden. Denn die Social Media Netzwerke wachsen gerade über sich hinaus und werden auch außerhalb ihrer Grenzen immer sichtbarer. Beste Beispiele sind der Like-Button von Facebook und Twitters Anywhere. Eine Strategie, der sicherlich bald andere Netzwerke folgen werden, wenn sie nicht hinten runter fallen wollen. Damit kommen immer mehr Menschen, die das Internet bislang mehr zum Surfen als zum Interagieren genutzt haben, mit Social Media in Berührung. Langfristig werden Social Media so zum integralen Bestandteil des Internets und vielleicht der gesellschaftlichen Kommunikation überhaupt. Zudem hat sich die Durchlässigkeit zwischen Social Media und den klassischen Medien erhöht. So verweisen sogar die altehrwürdigen Tagesthemen regelmäßig auf die Möglichkeit, im Anschluss der Sendung auf Facebook zu diskutieren. Neben den Medien, die ihre Inhalte verstärkt über Social Media verbreiten, nutzt auch eine Vielzahl von Journalisten Soziale Netzwerke zur Recherche und Kommunikation. In der Folge erscheinen immer mehr Artikel zu Social Media in den klassischen Printmedien und sorgen für eine weitere Popularisierung von Facebook, Twitter und Co. Nicht zuletzt leistet auch der Trend hin zu Smartphones weiteren Vorschub. Durch die damit verbundene Ausbreitung des Mobile Webs wird das, was einmal ein Handy war und maximal zum Telefonieren gut, zu einem umfassenden Kommunikations- und Informationsinstrument. Augmented Reality ist hier das Stichwort, das zeigt, wo die Reise hin geht. Überhaupt scheint der Siegeszug des Handys, Parallelen mit der Entwicklung von Social Media aufzuzeigen. Gab es noch vor fünf bis sechs Jahren etliche Handyverweigerer, die für die Aussage, man muss ja nicht überall erreichbar sein, nickenden Beifall bekamen, sind sie nun eher rar geworden und werden als komische Käuz belächelt, die nie erreichbar sind. Das Handy ist Alltag geworden und durch die Integration in den Alltagsgegenstand Handy werden Social Media weit mehr gewinnen als bisher. Denn zusätzlich zu der dadurch sinkenden Hemmschwelle ist das Handy im Gegensatz zum Computer bei den meisten Menschen immer an. Informationen lassen sich so auch mal schnell ohne den Aufwand des PC-Starts nebenher abrufen. Einen ähnlichen Effekt werden zudem die Zentralisierungstendenzen, die sich derzeit in den Social Media mit dem riesigen Wachstum von Facebook abzeichnen, haben. Denn je mehr Menschen man aus seinem Freundes-, Bekannten und Kollegenkreis über einen einfachen Zugang erreichen kann, desto höher wird auch die Attraktivität und der Sog des Angebotes.

In dieser Hinsicht weisen alle Anzeichnen daraufhin, dass sich mit der weiteren Verbreitung von Social Media auch die Kommunikation der Menschen und damit das Zusammenleben der Menschen massiv verändern wird. Allein die Möglichkeiten des Informations- und Gedankenaustausches zwischen Menschen, die sich früher schon durch räumliche Beschränkungen nicht begegnet wären, führt zu einer Verstärkung von Themen und Interessen. Dabei werden zukünftig wohl auch Sprachbarrieren fallen. Denn die Forschung rund um Übersetzungsdienste ist im vollen Gange und schafft schon heute beachtliche Ergebnisse. Um zum Thema Unternehmen zurückzukommen. Mit der Veränderung der Kommunikationsgewohnheiten der Menschen wird es langfristig keine Frage sein, ob Unternehmen Social Media integrieren werden oder nicht. Dabei wird es noch nicht einmal die Argumentation um den Nutzen und ROI benötigen, die wir aktuell führen. Mit dem weiteren Social Media Wachstum wird sich die Umwelt der Unternehmen in vielerlei Hinsicht so stark verändern, dass ein Anpassungsdruck entsteht, dem sich die Unternehmen nicht entziehen können, wenn sie ihr Ziel der Gewinnmaxierung erfüllen wollen. Dass die Nutzen-Debatte geführt wird, zeigt nur, dass der Zusammenhang zwischen Kommunikation und Gewinn aufgrund seiner Komplexität in vielen Unternehmen gar nicht klar ist, sowie, dass die Verbreitung und Kenntnis von Social Media geringer ist als gemeinhin von ihren Protagonisten vermutet wird.

Was gegen eine schnelle Verbreitung von Social Media in Unternehmen spricht

Mit der Veränderung der Umwelt der Unternehmen kommt man aber an einen Punkt, an dem die erste Skepsis Einzug hält, wie schnell sich Social Media in Unternehmen etablieren. Zu Recht wird davon gesprochen, dass mit der Etablierung von Social Media ein Wandel der Unternehmenskultur einhergehen muss. Dabei sind die Möglichkeiten, die Social Media in Marketing, Unternehmenskommunikation und CRM eröffnen, nur die Spitze des Eisberges. Verfolgt man die Diskussionen weiter stößt man schnell auf Themen wie Wissensmanagement, Enterprise 2.0 und die Veränderung der Lebens- und Arbeitsweisen, die immer weniger eine Trennung von Beruf und Freizeit zulassen. Zudem werden Social Media durch die Reaktionen der Menschen immer mehr Einfluss auf die Entwicklung und Gestaltung von Produkten nehmen. Die Frage ist, wie schnell wandeln sich Unternehmen? Aktuell scheinen sich hier Interesse und Verharren die Waage zu halten. So verbieten immer noch 50 Prozent der Unternehmen Social Media am Arbeitsplatz. Sandra Sieber stellt in der Studie für Cisco fest, dass viele Führungskräfte zu alt für Social Media sind. Ein Aspekt dieser Verweigerungshaltung ist sicherlich auch, dass das Tempo des Informationsflusses „in“ Social Media und „außerhalb“ Social Media unterschiedlich ist. In Social Media verdichten sich Themen und Informationen sehr viel schneller. Allein die Diskussion um den Einsatz in Unternehmen hat sich innerhalb nur eines Jahres von der Aufzählungen der Nutzen hin zu konkreten Problematiken wie Erfolgsmessung und Ansprüche an Berater entwickelt. Außerhalb von Social Media verdichten sich Themen allerdings wesentlich langsamer. Verantwortliche und Führungskräfte entscheiden hier immer noch auf der Basis, dass sie Kenntnis davon haben, dass es Social Media gibt, aber keine Kenntnis darüber, was es ist. Hinzu kommt, dass Unternehmen in den letzten 20 Jahren auf Corporate Identity, die im Kern auf Kontrolle und ein hierarchisches System von Informationsfreigaben aufgebaut ist, getrimmt wurden. Social Media scheint dem entgegenzustehen. Damit wächst auch das Unbehagen gegenüber der Nutzung von Social Media in Unternehmen, weil alte Macht- und Kompetenzstrukturen aufgelöst werden.

Zusätzlich wächst auch das persönliche Unbehagen gegenüber Social Media und fließt in die Entscheidung ein. Denn die Debatte um den Datenschutz in den sozialen Netzwerken wird zunehmend auch in den klassischen Medien geführt und kommt bei den Unternehmern damit fast zeitgleich mit der Diskussion um die positiven Effekte von Social Media an. Überhaupt, weißt diese wichtige Diskussion, die Christoph Kappes hier zwar sehr lang aber um so lesenswerter am Beispiel Facebook analysiert, auf einen durch Social Media ausgelösten tiefgreifenden gesellschaftlichen Wandel hin. Der aktuellen technischen Entwicklung von Social Media folgt eine gerade erst beginnende politische und rechtliche Diskussion. Wie umfassend der Wandel ist, lässt sich nur schwer ermessen. Wahrscheinlich erscheint aber, dass er umfassender wird, als wir es bislang erahnen. So ist absehbar, dass die nächste Diskussion um Arbeitsverträge und Formen der Zusammenarbeit geführt wird, wenn Social Media zunehmend räumliche und zeitlich Barrieren der Zusammenarbeit auflösen. Ebenso absehbar ist die Diskussion um die Regelung der politischen Einflussmöglichkeiten via Social Media. Dies sind nur Stichworte, zu dem, was die Rahmenbedingungen sowohl der Unternehmen, die Social Media anbieten, als auch der Unternehmen, die Social Media nutzen, verändern wird. Letztendlich wird es unter anderem vom Verlauf dieser gesellschaftlichen Diskussionen abhängen, wie schnell und in welcher Form sich Social Media in den Unternehmen etablieren.

Insgesamt denke ich, dass wir erst am Anfang einer Entwicklung stehen, die weit mehr beinhaltet, als wir derzeit absehen können. Schon allein für den Einsatz in Unternehmen zeigt die Verästelung der Diskussion, dass Social Media alle Unternehmensteile berührt. Der Einsatz in der Unternehmenskommunikation kann da nur der erste Schritt sein. Ein vorsichtiges Herantasten sozusagen, bevor weitere Unternehmensteile einbezogen werden. Wie nachhaltig und schnell sich Social Media darüber hinaus in Unternehmen etablieren, hängt stark davon ab, wie schnell Social Media einen ähnlich alltäglichen Status als Kommunikations- und Informationsmittel erlangen wie Telefon, Radio oder Fernsehen. Davor stehen allerdings noch die gesellschaftlichen Diskurse, die darüber entschieden werden, in welchen Rahmenbedingungen Social Media überhaupt möglich sind.

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Social Media – Spiegel der Gesellschaft

Posted by Markus Neubert - 16. November 2009

Vielleicht ist es nur mein persönliches Empfinden, weil es auch mein beruflicher Blickwinkel ist, aber die Debatte rund um Social Media reduziert sich derzeit stark auf die Frage, wie sie in der Unternehmenskommunikation genutzt werden kann. Das zeigt sich vor allem an der Diskussion, wie sie in den letzten Wochen im Blog Massenpublikum von Sachar Kriwoj geführt wurde. Am interessantesten fand ich noch die Frage, was Social Media überhaupt ist. Ich denke, wenn man hier einen breiteren Ansatz wählt, dann profitiert auch die Diskussion über den Einsatz in der Unternehmenskommunikation. Zudem lassen sich so weitere Trends zumindest erahnen, die sich in den nächsten Jahren rund um Social Media entwickeln können.

Gängigste Antwort und gemeinsamer Nenner ist wohl aktuell, dass Social Media in erster Linie eine Tool-Box ist, wie es Igor Schwarzmann hier in den Kommentaren formuliert. Djure Meinen vom Blog 50hz erweiterte dies noch um die Dialog-Komponente, dass es zudem ein Kommunikationsraum ist bzw. via Plattformen wie Blogs, Twitter, Facebook, etc.,  Kommunikationsräume bereitstellt, in denen über Unternehmen gesprochen wird. Meiner Meinung nach bleibt die Diskussion damit aber auf der Form-Ebene stecken. Für die Unternehmenskommunikation mag dies auf den ersten Blick ausreichend sein, denn der inhaltliche Rahmen ist hier schon in groben Zügen vorgegeben. Auf den zweiten Blick wird mir dabei aber zu viel ausgeblendet, was sowohl bei der Frage, warum Unternehmen sich im Social Web engagieren sollten, als auch bei der Entwicklung von Konzepten hilfreich wäre.

Gesellschaft in komprimierter Form

Denn inhaltlich spiegelt Social Media Gesellschaft in komprimierter Form wider. In komprimierter Form, weil Social Media rein auf zumeist textbasierte Kommunikation beschränkt ist und menschliches Handeln sowie weite Teile der nonverbalen Kommunikation nur mittelbar erfahrbar sind. Zudem komprimiert, weil sich menschliche Interessen in den Online-Dialogen verdichten, das heißt, der Austausch erfolgt fast immer auf ein Thema beschränkt. Dadurch wird er intensiviert, zumal ausschweifende Erörterungen schon durch die Vorgaben vieler Plattformen beschränkt werden. Inhaltlich findet man dabei alle menschlichen Interessen und Themen in Social Media wieder. Das Spektrum reicht hier von Hobby und Freizeit über Politik und Lebenslagen bis hin zu den  Schattenseiten der Gesellschaft wie Mobbing und Kinderpornografie. Die für Unternehmen relevante Kommunikation ist da nur ein kleiner Ausschnitt.

Querschnittabteilungen in Unternehmen

Für die Unternehmenskommunikation bedeutet dieser Ansatz, dass alle Abteilungen, die mit dem Unternehmensumfeld kommunizieren, in eine umfassende Social-Media-Strategie einbezogen werden müssen. In dieser Hinsicht ist die Frage, ob Social Media ein Feld für PRler oder Werber ist obsolet. Beide müssen hier Hand in Hand arbeiten und neue Inhalte  und dialogische Formen entwickeln. Zudem sind PRler und Werber keine Verkäufer, Vertriebler und ebenso wenig Experten für Beschwerdemanagement. Dies werden allerdings langfristig Kommunikationsfelder sein, die verstärkt Online nachgefragt werden und zu denen Unternehmen einen eine einfachen Zugang auf den relevanten Social Media Plattformen bieten müssen. Denn schon jetzt zählen Produkte und Produkt-Service zu den meist diskutierten Themen im Social Web. Spannend wird dabei die Frage, ob sich hier in größeren Unternehmen Querschnittsabteilungen bilden werden, in denen Mitarbeiter mit spezieller Social Media Kompetenz abteilungsübergreifend eng zusammenarbeiten.

Social Media als Aufgabe für alle Berufsfelder

In diesem Sinne denke ich, dass entlang der Schnittstelle Social Media langfristig verstärkt Mitarbeiter aller „kommunikativen“ Berufe mit Zusatzqualifikation gesucht werden. Dazu werden beispielsweise auch Sozialarbeit und Seelsorge zählen. Hier hat die Medienanstalt mit dem Portal juuuport.de bereits einen ersten Schritt gemacht. Das Portal ist eine Anlaufstelle für Jugendliche, die Opfer von Cyber-Mobbing geworden sind. Das Thema Cyber-Mobbing ist übrigens, wenn auch kein schönes, ein Beispiel für das Widerspiegeln von Gesellschaft im Social Web. Häufig wird an dieser Stelle verkürzt argumentiert, dass es das böse Internet sei, das dies erst möglich gemacht hat. Mobbing unter Jugendlichen hat es aber schon immer gegeben, im Social Web wird es nun nur sichtbar. Dies trifft im Übrigen auf die meisten sozialen Phänomene von Arbeitslosigkeit bis hin zu Suizid zu. Ähnlich wie die Unternehmen muss hier auch Sozialarbeit einen Kommunikationskanal öffnen, um die Menschen da zu erreichen, wo sie ihre Ängste und Nöte kommunizieren.

Die inhaltliche Definition von Social Media ist bisher nur eine erste Skizze und lässt sich sicherlich noch verfeinern. Doch ich denke, es zeichnet sich schon jetzt ab, dass Social Media nicht nur die Kommunikation der Menschen untereinander verändert, sondern darüber hinaus auch neue Berufe schaffen bzw. als Zusatz-Qualifikationen in vielen Berufsbildern zum Standard werden wird. Die Unternehmenskommunikation ist da erst ein Anfang.

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Social Media – Das Internet lernt sprechen

Posted by Markus Neubert - 20. August 2009

Speziell für mittelständische Unternehmen aus den klassischen, internetfernen Branchen rechnete sich Aufwand und Nutzen von Online-PR bislang nicht. Durch das rasante Wachstum von Diensten wie Twitter und Facebook hat sich die Situation geändert. Sie stellen die Infrastruktur, mit dem das Internet den Sprung vom globalen Dorf hin zur pulsierenden Großstadt geschafft hat.

Seit gut sechs Jahren beobachte ich nun schon das so genannte Social Web. Als PR-Berater gilt mein Interesse natürlich dem Einsatz von Blogs, Foren und andere Elemente des Social Webs in der Unternehmens-Kommunikation. Bislang war ich, vor allem was das Verhältnis von Aufwand und Nutzen betraf, skeptisch. Als sinnvoll sah ich den Einsatz lediglich für internetnahe Dienstleister und Anbieter rund um Consumer Electronic an. Für die große Masse mittelständischer Unternehmen mit klassischen Dienstleistungen und Produktpaletten war der Aufwand bis dato zu hoch, ohne erkennbaren Nutzen zu liefern. Verändert hat sich diese Einschätzung durch die Entwicklung, die das so genannte Echtzeit-Netz mit Diensten wie Twitter und Facebook derzeit nimmt. Denn diese Social-Media-Dienste schicken sich nicht nur an, eine hohe Zahl an Nutzern zu erreichen, sondern verändern das Internet grundlegend. Vergleichen kann man die Entwicklung des Internets in dieser Hinsicht mit dem Wachstum vom mittelalterlichen Dorf zur modernen Großstadt. Bisher waren die Websites/Häuser nur lose über Feldwege ohne echte Beschilderung verbunden. Das wegweisende Monopol in dieser dörflichen Gemeinschaft lag bei den Suchmaschinen wie Google, Yahoo oder Metagear, die wie Branchenbücher funktionieren. In der Marketing-Folge versuchten die meisten Unternehmen, möglichst weit vorne in diesen „Telefonbüchern“ zu erscheinen. Online-PR wurde dabei zum großen Teil mit SEO gleichgesetzt. Kommunikation im Sinne eines Dialogs fand hier nicht statt, sondern wurde, wenn überhaupt, über E-Mails geführt. Die Auswüchse dieser Kommunikations-Versuche sind heute noch jeden Morgen beim Öffnen des Mail-Accounts in Form von Spam und abonnierten Newslettern zu bewundern. Die (Unternehmens-)Websites ließen und lassen dabei keine Kommunikation zu. Sie waren und sind zum größten Teil bessere Schaufensterauslagen ohne Eingang.

Web2.0 – Das stumme Internet wird laut

Bewegung kam in das globale Dorf Internet durch das so genannte Web 2.0. Die stummen Passanten der Webseiten fingen auf einmal an, miteinander zu reden und sich in Grüppchen und Clubs zu treffen. Um im Bild zu bleiben, bildeten sich so etwas wie die Szene-Bars des WWW. Denn für den Szenen-Zusammenhalt in den Communities, Foren und Portalen sorgt in den meisten Fällen das gemeinsame Interesse an einem Thema. Dabei ist das Themenspektrum vom Fußballverein über Fotografie bis hin zu Haustier und Kindererziehung weit gestreut. Für die Unternehmens-PR sind diese Szene-Bars in der Regel geschlossene Gesellschaften. Häufig ist die Ursache hierfür in einer gegenseitigen Abneigung zu suchen. Denn in vielen Unternehmen gelten Foren, vor allem wenn sich die User hier über die Qualität von Produkten austauschen, als Ärgernis. Umgekehrt gelten Unternehmen den Usern von vornherein als suspekt, weil sie zu häufig den Fehler machen, nur ihre Werbebotschaften abzusondern und nicht auf einen Dialog zu setzen. Zudem war es dem Abbau von Vorurteilen nicht förderlich, dass einige Unternehmen, wie die Bahn verdeckte Claqeure einsetzten. Die Unternehmen wie hier, die den cleveren Ansatz wählten, ihre eigene Szene-Bar aufzumachen, sind bislang schwer zu finden. Fairerweise muss man sagen, dass dies auch nicht für jedes Unternehmen möglich ist, da die Resonanz der User stark themenabhängig ist. Ebenso wie die Foren hat die im Rahmen des Web 2.0 aufkommende Blogsphäre das WWW dynamischer gemacht. Wobei den Blogs in Deutschland nie die hohe Aufmerksamkeit zuteil wurde wie in den USA. So gab es in Deutschland auch nur einige wenige Versuche, Corporate-Blogs in der Unternehmens-Kommunikation einzusetzen und so quasi eine Tür neben dem Schaufenster Website zu öffnen. Verglichen mit den großen Newsportalen wie Spiegel Online oder Der Westen, sind die Blogs in Deutschland der Restaurant-Geheimtipp, der nur einem eingeschworenen Zirkel bekannt ist. Die Bedeutung und die Reichweite der Blogs wird sich aber mit der rasanten Entwicklung des Echtzeit-Netzes ändern und damit auch ihre Bedeutung für die Unternehmens-Kommunikation.

Das Echtzeitnetz – Entwicklung von globalen Dorf zur pulsierenden Großstadt

Denn das Echtzeitnetz schafft nicht nur eine gut ausgeschilderte Informations-Autobahn, sondern geht in seiner Funktion weit über darüber hinaus. Es stellt letztlich eine hochmoderne Infrastruktur bereit und verschafft dem häufig als globales Dorf bezeichnetem Internet die Dynamik einer modernen, pulsierenden Großstadt. So ermöglicht eine Plattform wie Twitter sowohl die passive Nutzung als Nachrichten-Plattform als auch die aktive Nutzung als Kommunikationskanal. Twitter verbindet das Potential von Fernsehen, Zeitung und dem Autonavi mit dem von Telefon, SMS und dem Gespräch über den Gartenzaun. Schon die passive Nutzung zeigt dabei die riesigen Möglichkeiten, die im Echtzeitnetz stecken. Um aktuelle Artikel auf News- oder Informations-Portalen mitzubekommen, musste man bisher die Seiten einzeln absurfen und nachsehen, ob es etwas Neues gibt. Zumindest die Durchschnittssurfer, denen RSS-Feeds nichts sagten oder denen die Handhabung zu umständlich war, werden so verfahren sein. Damit beschränkt sich deren Internetnutzung auch auf ein bis zwei News-Portale, über die intensiv Informationen bezogen wurden. Die Informationsautobahn Twitter eröffnet nun den schellen Weg zu den meisten maßgeblichen Websites. Aktualisierungen auf den News- und Informations-Portalen werden in Kurzform inklusive des direkten Links über Twitter publik gemacht und bieten so einen direkten Zugang. Zudem, und hier kommt die Unternehmens-Kommunikation wieder ins Spiel, lassen sich viele Blogger auf Twitter finden, welche die Updates ihrer Blogs bekannt geben und damit die Relevanz und Reichweite der Blogs erhöhen. Eine Chance, die auch Unternehmens-Blogs für sich nutzen  können. Gesetzt den Fall die Unternehmen sind an einem echten Dialog mit ihrer Zielgruppe interessiert und sehen Blog- und Twitter-Kanal nicht als Durchlauferhitzer für Werbebotschaften, kann das Social-Media-Engagement das Unternehmens-Image positiv steigern. Letztlich funktionieren Dienste wie Twitter und Facebook wie die gute alte Mund-zu-Mund-Propaganda, nur viel schneller und direkter.

Für Unternehmen bedeutet die aktuelle Entwicklung, lieber früher dabei zu sein als später. Irgendwo las ich den letzten Tagen den Satz „Wer jetzt nicht damit anfängt, sein (Online)-Netzwerk aufzubauen, dem wird es später fehlen“. (Leider weiß ich nicht mehr, wem dieses kluge Zitat zuordnen ist. Sollte es jemand wissen, trage ich den Zitatgeber gerne nach). Momentan ist der Einstieg schon deshalb sinnvoll, weil alle derzeit noch Lernende sind, die die Grenzend es neuen Mediums austesten. Feste Cliquen und Zirkel haben sich erst ansatzweise gebildet. Und wie im realen Leben auch kommt man leichter in eine Gruppe hinein, wenn sie sich gerade bildet, als wenn man dem Einstieg in eine schon bestehende Gruppe mit festen Strukturen versucht. Meiner Einschätzung nach ist das Echtzeitnetz auch kein vorübergehender Hype wie Second Life, sondern wird sich langfristig etablieren. Denn so kurios es klingt, vernetzen Dienste wie Twitter und Facebook das Netz, indem sie Querverbindung zwischen Informationen, Websites und Surfer schaffen. Diese Entwicklung ist für mich übrigens auch der Grund, dieses Blog zu starten.

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